In meinen Technikartikeln und Videos geht es mir nicht darum, die perfekte 4000-Euro-Maschine zu finden, die angeblich alles kann. Ich suche bewusst nach günstigen, aber guten Alternativen. Geräte, die für normale Nutzer bezahlbar sind und im Alltag funktionieren. Genau aus diesem Blickwinkel habe ich mir auch die Klarstein Retro Mini Siebträgermaschine angesehen, denn sie wird häufig als günstiger Einstieg in die Espresso-Welt beworben.
Klarstein Retro Mini – Espresso
Beim Thema Espresso muss man zuerst mit einem weitverbreiteten Irrtum aufräumen. Entscheidend ist nicht der Pumpendruck, den der Hersteller angibt. Der relevante Brühdruck entsteht im Kaffeepuck selbst. Mahlgrad, Kaffeemenge, Verteilung und Puckdichte bestimmen, wie viel Widerstand aufgebaut wird. Die Maschine liefert nur das Wasser. In dieser Hinsicht macht die Klarstein nichts grundsätzlich falsch. Sie kann Espresso extrahieren, daran scheitert sie nicht.
Die Probleme beginnen dort, wo Espresso wirklich anspruchsvoll wird. Ein zentraler Punkt ist die Temperatur. Die Klarstein arbeitet mit einem einfachen Thermoblock ohne präzise Regelung. In der Praxis bedeutet das, dass die Brühtemperatur schwankt. Je nachdem, wie lange die Maschine aufgeheizt ist oder ob man kurz vorher einen Bezug gemacht hat, verändert sich das Ergebnis in der Tasse. Mit dunklen Röstungen kann man das noch gut ausgleichen, weil sie toleranter sind. Sobald man aber etwas hellere oder komplexere Bohnen verwendet, wird es schwer, reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.
Auch der Wasserfluss ist wenig konstant. Die Vibrationspumpe arbeitet ohne fein abgestimmte Druckbegrenzung. Kleine Änderungen am Mahlgrad wirken sich sofort stark auf die Durchlaufzeit aus. Das macht die Maschine nervös im Umgang. Wer Erfahrung hat, kann das kontrollieren, Einsteiger stoßen hier aber schnell an Grenzen. Fehler in der Puck-Vorbereitung werden kaum verziehen, Channeling tritt schneller auf.
Klarstein Retro Mini – Siebträger
Der Siebträger und die Siebe sind funktional, aber sehr einfach. Um saubere Ergebnisse zu bekommen, braucht es zwingend ein gutes Mahlwerk und saubere Vorbereitung. Die Maschine selbst gleicht Ungenauigkeiten nicht aus. Auch die Dampflanze passt ins Bild. Milch lässt sich aufschäumen, Cappuccino und Latte sind möglich. Feinporiger Milchschaum erfordert Geduld und Übung. Für den Alltag reicht das, für konstante Latte-Art eher nicht.
Auch bei der Verarbeitung merkt man den Preis. Viel Kunststoff, ein leichter Siebträger und einfache Bedienelemente bestimmen den Eindruck. Für gelegentliche Nutzung ist das akzeptabel, für jemanden, der regelmäßig Espresso zubereitet und dazulernen möchte, wirkt die Maschine schnell limitierend.
An dieser Stelle ist mir ein Vergleich wichtig, weil er meinen grundsätzlichen Ansatz gut zeigt. Ich nutze selbst die De’Longhi ECP 33.21 und bin mit ihr sehr zufrieden. Ich habe sie bei Expert für unter 90 Euro gekauft. Damit war sie sogar günstiger als viele Klarstein-Modelle. Gleichzeitig hat meine Kaffeemühle deutlich mehr gekostet als die Maschine selbst. Das ist kein Zufall. Beim Espresso ist die Mühle oft wichtiger als die Maschine.
Klarstein Retro Mini – Technik
Ein entscheidender Unterschied zur Klarstein ist die Technik. Die De’Longhi arbeitet mit einem klassischen Boiler und nicht mit einem einfachen Thermoblock. Das sorgt für eine deutlich stabilere Temperatur während des Bezugs. Die Maschine arbeitet ruhiger, reagiert berechenbarer auf Änderungen am Mahlgrad und liefert konstantere Ergebnisse. Gerade wenn man bereits Espresso-Grundwissen mitbringt, merkt man diesen Unterschied sofort. Die Bedienung ist entspannter, die Lernkurve weniger frustrierend.
Genau hier zeigt sich, was ich mit günstigen, aber guten Alternativen meine. Die Klarstein ist günstig und sieht gut aus, aber sie stößt schnell an technische Grenzen. Die De’Longhi zeigt, dass man auch im unteren Preisbereich Maschinen bekommen kann, die insgesamt ausgewogener arbeiten und dem Nutzer mehr Kontrolle geben.
Klarstein Retro Mini – Fazit
Mein Fazit fällt daher klar aus. Die Klarstein Retro Mini Siebträgermaschine ist kein Totalausfall. Sie kann Espresso zubereiten und Milch aufschäumen. Sie scheitert nicht am Druck, sondern an Temperaturstabilität, Wasserführung und Konstanz. Wer Espresso nur gelegentlich trinkt, dunkle Röstungen nutzt und vor allem ein günstiges, optisch ansprechendes Gerät sucht, kann mit ihr leben.
Wer jedoch bewusst Espresso zubereiten möchte, sein Wissen einsetzen will und Wert auf reproduzierbare Ergebnisse legt, wird mit stabileren Maschinen glücklicher. Meine Erfahrung zeigt, dass man auch mit sehr überschaubarem Budget deutlich bessere Ergebnisse erzielen kann, wenn Technik, Mühle und Erwartungshaltung zusammenpassen. Genau das versuche ich in meinen Artikeln und Videos immer wieder zu zeigen.
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